Pflege­ver­si­che­rung für Juristen

Das Thema Pflege beschäftigt immer mehr Menschen in Deutschland. Die Lebenserwartung steigt rasant. Bereits heute sind mehr als 17 Mio. Deutsche älter als 65 Jahre. Tendenz steigend. Natürlich macht diese Frage auch vor dem juristischen Berufsstand nicht halt. Der Gesetzgeber legt den Grundstein für die Pflegevorsorge. Die Träger der Pflegerisiken in der Bundesrepublik sind die gesetzlichen und privaten Kranken­ver­si­che­rungen. Jeder Versicherte ist verpflichtet einen Beitrag zur Pflege­ver­si­che­rung zu bezahlen, sei er gesetzlich oder privat versichert. Damit besteht im Unterschied zur Renten- und Berufs­unfähig­keitsversicherung im Bereich der Pflege­ver­si­che­rung die Situation, dass auch eine Mitgliedschaft im Versorgungswerk nicht zu anderen (möglicherweise besseren) Leistungen im Pflegefall führt.

In 2011 waren rund 2,5 Mio. Menschen pflegebedürftig. Der medizinische Fortschritt und der damit einhergehende demographische Wandel sorgen dafür, dass die Tendenz für die Zukunft steigend ist.

Was leistet die gesetzliche Pflege­ver­si­che­rung?

  Pflegegrad 1 Pflegegrad 2 Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pflegegrad 5
Geldleistung ambulant 125,00 € 316,00 € 545,00 € 728,00 € 901,00 €
Sachleistung ambulant   689,00 € 1.298,00 € 1.612,00 € 1.995,00 €
Leistungsbetrag stationär 125,00 € 770,00 € 1.262,00 € 1.775,00 € 2.005,00 €

 

Weitere Informationen bekommen Sie hier:

Ratgeber zur Pflege

Pflegebedürftigkeit. Was nun?

Was kostet Pflege?

Die Frage, welche Kosten für die Pflege tatsächlich anfallen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Zum einen liegt dies daran, dass es deutliche regionale Unterschiede gibt und gerade bei der häuslichen Pflege kommt es natürlich darauf an, wie der Alltag gestaltet ist und welche zusätzlichen Unterstützungen privat genutzt werden. Darüber hinaus muss auch bei häuslicher Pflege natürlich beachtet werden, dass laufende Kosten wie Miete, Strom und Wasser weiterlaufen.

Für die stationäre Pflege gibt es im Internet z.B. unter www.aok-pflegeheimnavigator.de die Möglichkeit sich einen sehr guten Überblick über die tatsächlich anfallenden stationären Pflegekosten in der jeweiligen Pflegestufe zu verschaffen. Auch hier gilt aber:

  • Lebenshaltungskosten
  • Nahrungsergänzungsmittel
  • Zuzahlungen der gesetzlichen Krankenkasse
  • Selbst­behalte in der privaten Kranken­ver­si­che­rung

fallen weiterhin an.

Kinder haften für ihre Eltern?

Gemäß eines Urteils des BGH vom 12.02.2014, Az.: XII ZB 607/12 sind die Kinder eines Pflegebedürftigen gesetzlich verpflichtet, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten für den Unterhalt der Eltern zu sorgen, selbst wenn der Kontakt seit langer Zeit abgebrochen war. Da die Rente der pflegebedürftigen Per­sonen nur in seltenen Fällen tatsächlich ausreichen dürfte um die realen Kosten der Pflege zu bezahlen, bleibt eine Differenz die es zu decken gibt.

Der Sozialhilfeträger streckt in diesen Fällen zwar die Kosten der Pflege vor, fordert diese aber unter Umständen von den unterhaltspflichtigen Kindern zurück. Darüber hinaus sind weitere Punkte zu beachten:

  • Die Verpflichtung und die Höhe des zu zahlenden Unterhalts hängen vom Vermögen und dem Einkommen der unterhaltspflichtigen Kinder ab. Vom bereinigten Nettoeinkommen wird ein Selbst­behalt abgezogen (aktuell 2.280 EUR für eine Familie im Monat.
  • Das Vermögen der Kinder muss bis zu einer Schongrenze für den Unterhalt ausgegeben werden.
  • Eine angemessene, selbstgenutzte Immobilie gehört zum Schonvermögen der Kinder. 

Welche Arten der Vorsorge gibt es? 

Um eine Absicherung für den Fall der Pflegebedürftigkeit zu bekommen und die Kosten entsprechend gedeckt zu wissen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

Pflegetagegeld

Es gibt die sogenannten Pflegetagegelder. Bei Tagegeld-Tarifen wird vertraglich eine tägliche Leistung vereinbart (Bspw. 50 EUR/Tag = 1.500 EUR/Monat). Nach Ablauf der tariflichen Karenzzeit erhält der Versicherte ein Tagegeld, ohne dass die tatsächlichen Kosten nachgewiesen werden müssen. Das Pflegetagegeld wird nach den drei Pflegestufen gestaffelt, wobei einige Tarife bereits bei Demenzerkrankungen ("PS 0") eine Leistung vorsehen.

Pflegekostenversicherung

Die Pflegekostenversicherung dient als prozentuale Aufstockung der sozialen, bzw. privaten Pflege­ver­si­che­rung. Verbleibende Kosten, die nach Ausschöpfung des Höchstsatzes der Pflege­ver­si­che­rung entstehen, können somit gedeckt werden.

Die Pflegekostenversicherung kommt nur für nachgewiesene Kosten auf. der Versicherte muss also die Rechnung des Pflegeheimes oder des Pflegedienstes einreichen. Die Kostenerstattung beschränkt sich dabei auf die im Katalog der gesetzlichen Pflege­ver­si­che­rung aufgeführten Leistungen. Durch die Bindung der Pflegekostenversicherung an den Kassensatz kann die Leistung geringer ausfallen. 

Pfle­ge­ren­tenversicherung

Die Pfle­ge­ren­te ist anders als die Pflegetagegeld- und Pflegekostenversicherung Bestandteil der Lebensversicherung. Das Risiko, zu einem Pflegefall zu werden, wird mit einer Renten- oder Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­rung abgesichert. Der Versicherte erhält eine monatliche Rentenzahlung seines Versicherers. Die Höhe des Auszahlungsbetrages richtet sich ausschließlich nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit, der Staffelung des gewählten Tarifs und der frei vereinbarten Rente. Die Höhe und Art der tatsächlichen Aufwendungen sowie der Ort der Pflege haben keinen Einfluss auf die Zahlung.

Der Beitrag zur Pfle­ge­ren­tenversicherung ist tendenziell höher, da der Lebensversicherer, im Gegensatz zu den Kranken­ver­si­che­rungsunternehmen, seine zugesagte Leistung nicht mehr durch Beitragsanpassungsklauseln nachträglich verändern kann. Jedoch bietet die Pfle­ge­ren­tenversicherung eine Überschussbeteiligung an, die sich auch zur Beitragsreduktion einsetzen lässt.

Pflege Bahr

Mit "Pflege Bahr" hat der Gesetzgeber noch eine zusätzliche Art der Pflegevorsorge geschaffen. Diese Form der Pflege­ver­si­che­rung wird staatlich gefördert, soweit es sich um ein zertifiziertes Produkt handelt. Pflege Bahr-Tarife zeichen sich durch folgende Punkte aus:

  • staatliche Förderung iHv 60 EUR p.a.
  • Leistung in PS1 20%, PS II 30%, PS III 100%
  • Leistung bei eingeschränkter Alltagskompetenz (PS 0): 10% 
  • Wartezeit: 5 Jahre (entfällt bei Unfall).
  • die Mindestleistung in PS III muss bei 600 EUR/Monat liegen.
  • Die Tarife haben keine Gesundheitsfragen und es gibt einen Kontraktionszwang seitens der Versicherer

Was auf den ersten Blick nach einer adäquaten Lösung für das Dilemma der staatlichen Pflege­ver­si­che­rung aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen aber als Rohrkrepierer. Zwar bieteten sämtliche Pflege Bahr Tarife eine Leistung von 600 EUR in Pflegestufe III und dies im Unterschied zu den ungeförderten Tarifen auch für jeden zugänglich, gleichzeitig stellen die 600 EUR aber auch schon die verfügbare Maximalleistung dar. Weitere, darüber hinausgehende Absicherungen (meistens als sog. PLUS-Tarif bezeichnet) sind sehr wohl mit Gesundheitsfragen versehen und damit für die Zielgruppe der Pflege-Bahr Kunden nicht zugänglich.

Informationsblatt Pflege Bahr


Was ändert das 2. Pflegestärkungsgesetz seit 2016?

  • Seit dem 01.01.2016 sollen Anspruchsteller, die Leisungen bei der Pflege­ver­si­che­rung beantragen, automatisch ein Angebot zur Pflege-Beratung erhalten. Auch haben pflegende Angehörige einen eigenen Anspruch auf Pflegeberatung. Hierzu werden durch die Pflegekassen feste Ansprechpartner genannt, die welche diese Beratung erfolgen soll. 
  • Wenn pflegende Angehörige zeitweilig ausfallen z.B. auf Grund von Krankheit, hatte man in der Vergangenheit Anspruch auf das Pflegegeld für die Dauer von 28 Tagen um die Pflege durch eine Pflegekraft, Freunde oder Verwandte zu finanzieren. Seit demm 01.01.2016 wird diese Anspruchsdauer nunmehr auf 42 Tage in der Ersatzpflege erhöht.
  • Wird ein zu pflegender Angehöriger für eine begrenzte Dauer in eine stationäre Pflegeeinrichtung verlegt (z.B. auf Grund von Urlaub durch den pflegenden Angehörigen), so betrug der bisherige Leistungsbezug ebenfalls 28 Tage. Dieser wurde auf 56 Tage angehoben.
  • Durch das Hospiz- und Palliativgesetz sind stationäre Pflegeeinrichtungen verpflichtet Kooperationsvereinbarungen mit Haus-, Fach und Zahnärzten zu schließen und somit die ärztliche Versorgung ihrer Bewohner sicherzustellen.
  • Die Verfahren zur Klärung des Rehabilitationsbedarfs von Pflegebedürftigen durch die Pflegekasen und den medizinischen Dienst, mit dem Ziel Pflegebedürftigen den Zugang zu Maßnahmen der Rehabilitation zu erleichtern, wurden konkretisiert. 

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